Ein einzelner Lavendelbusch kann mit wenig Aufwand zur Quelle für viele neue Pflanzen werden. Ich zeige Ihnen, welche Methode im Garten am zuverlässigsten ist, wann Sie schneiden sollten und wie die jungen Pflanzen bis zum Auspflanzen gesund bleiben. Dabei geht es auch um Aussaat, Absenker, typische Fehler und die richtige Pflege nach der Bewurzelung.
Die wichtigsten Entscheidungen auf einen Blick
- Stecklinge sind die schnellste und zuverlässigste Methode für sortenechte Jungpflanzen.
- Schneiden Sie idealerweise im Frühjahr oder Spätsommer nicht blühende, halbverholzte Triebe.
- Ein Steckling sollte etwa 5 bis 10 Zentimeter lang sein und in durchlässigem Substrat stehen.
- Staunässe ist der häufigste Grund für Fäulnis und Ausfälle.
- Die Aussaat eignet sich für Geduldige, liefert aber nicht immer Pflanzen mit den Eigenschaften der Mutterpflanze.

So lässt sich Lavendel vermehren
Für den Hausgarten empfehle ich fast immer Kopfstecklinge. Dabei entstehen genetisch identische Pflanzen, sodass Blütenfarbe, Wuchsform und Duft der bewährten Mutterpflanze erhalten bleiben. Das ist besonders bei kompakten Sorten wichtig, denn Sämlinge können deutlich anders aussehen.
Der beste Zeitpunkt liegt im späten Frühjahr von Mai bis Juni, wenn die neuen Triebe noch biegsam, aber nicht mehr ganz weich sind. Auch der Spätsommer nach der Blüte funktioniert, sofern die Stecklinge anschließend geschützt überwintern können.
| Methode | Geeigneter Zeitpunkt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Stecklinge | Mai bis Juni, alternativ Spätsommer | Schnell, sortenecht, hohe Erfolgswahrscheinlichkeit | Jungpflanzen brauchen anfangs Schutz |
| Aussaat | Februar bis April unter Glas | Viele Pflanzen aus wenig Saatgut | Langsam und genetisch unterschiedlich |
| Absenker | Frühjahr bis Frühsommer | Sehr schonend für die Mutterpflanze | Nur wenige neue Pflanzen möglich |
Das Teilen alter Büsche halte ich dagegen für keine gute Lösung. Lavendel bildet einen verholzten Wurzelbereich, der sich oft nicht sauber teilen lässt. Beim Auseinanderreißen werden viele Wurzeln beschädigt, während Stecklinge deutlich kontrollierter anwachsen.
Stecklinge Schritt für Schritt richtig schneiden
Den passenden Trieb auswählen
Wählen Sie einen gesunden, kräftigen Trieb ohne Blütenansatz. Besonders geeignet sind 5 bis 10 Zentimeter lange Seitentriebe aus dem diesjährigen Wachstum. Blühende Triebe stecken ihre Energie eher in die Blüte als in die Wurzelbildung.
Ich schneide die Triebe mit einer sauberen, scharfen Schere direkt unterhalb eines Blattknotens. Ein sauberer Schnitt quetscht das Gewebe nicht und senkt das Risiko, dass sich Fäulnis ausbreitet.
Blätter entfernen und einpflanzen
- Entfernen Sie die Blätter im unteren Drittel des Triebs.
- Kürzen Sie den Steckling bei Bedarf auf etwa 7 Zentimeter.
- Stecken Sie ihn 2 bis 3 Zentimeter tief in ein mageres, durchlässiges Substrat.
- Drücken Sie die Erde vorsichtig an und wässern Sie einmal gründlich.
Als Mischung genügt Anzuchterde mit einem Anteil von etwa 30 bis 50 Prozent Sand, Perlite oder feinem Splitt. Normale, nährstoffreiche Blumenerde speichert oft zu viel Wasser. Bewurzelungspulver ist bei Lavendel nicht zwingend nötig und bringt im privaten Garten meist keinen entscheidenden Vorteil.
Für gleichmäßige Feuchtigkeit sorgen
Stellen Sie die Töpfe hell, aber zunächst ohne pralle Mittagssonne auf. Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad Celsius unterstützen die Wurzelbildung. Eine durchsichtige Abdeckung kann die Luftfeuchtigkeit erhöhen, muss aber täglich gelüftet werden, damit sich kein Schimmel bildet.
Das Substrat soll leicht feucht bleiben, aber niemals nass sein. Ich prüfe die Oberfläche mit dem Finger und gieße erst, wenn sie trocken wirkt. Nach ungefähr 4 bis 8 Wochen zeigt ein vorsichtiger Zug am Trieb, ob sich Widerstand durch neue Wurzeln gebildet hat.
Aussaat und Absenker für besondere Fälle
Lavendel aus Samen ziehen
Die Aussaat ist interessant, wenn Sie viele Pflanzen benötigen oder neue Wuchsformen ausprobieren möchten. Säen Sie zwischen Februar und April in Schalen mit magerer Erde und bedecken Sie die Samen nur sehr dünn, da sie zur Keimung Licht benötigen.
Bei etwa 18 bis 22 Grad keimen die Samen häufig innerhalb von 2 bis 4 Wochen, manchmal dauert es länger. Sobald die Sämlinge mehrere echte Blattpaare besitzen, werden sie einzeln pikiert. Bis zur ersten kräftigen Blüte kann jedoch mehr als eine Saison vergehen.
Der entscheidende Nachteil liegt in der genetischen Streuung. Sämlinge einer Sorte können in Blütenfarbe, Duft und Wuchs voneinander abweichen. Für eine gleichmäßige niedrige Beetkante sind Stecklinge deshalb die bessere Wahl.
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Absenker ohne separates Bewurzelungsbeet
Für einen Absenker biegen Sie im Frühjahr einen biegsamen Seitentrieb bis zum Boden. Entfernen Sie an einer kleinen Stelle die Blätter, ritzen Sie den Trieb leicht an und bedecken Sie diesen Abschnitt mit 3 bis 5 Zentimetern Erde. Ein Drahtbügel oder ein kleiner Stein hält ihn am Boden.
Die Triebspitze bleibt sichtbar und wächst weiter. Nach etwa 6 bis 12 Wochen können sich ausreichend Wurzeln gebildet haben. Erst dann trennen Sie die neue Pflanze von der Mutter und setzen sie vorsichtig an ihren endgültigen Platz.
Diese Methode ist langsam, aber sehr zuverlässig, weil der Trieb während der Bewurzelung weiter von der Mutterpflanze versorgt wird. Ich nutze Absenker vor allem bei älteren Büschen, von denen nur wenige neue Pflanzen gebraucht werden.
Pflege nach der Bewurzelung
Bewurzelte Stecklinge werden zunächst in einzelne Töpfe mit durchlässiger Erde gesetzt. Der Topf sollte ein Abzugsloch besitzen und nur wenig größer als der Wurzelballen sein. Zu viel Erde rund um kleine Wurzeln bleibt lange feucht und erhöht das Fäulnisrisiko.
Nach dem Umtopfen brauchen die Jungpflanzen viel Licht, aber in den ersten Tagen noch etwas Schutz vor starker Sonne. Düngen Sie erst, wenn sichtbar neues Wachstum einsetzt. Danach reicht eine sehr zurückhaltende Nährstoffgabe, denn Lavendel wächst auf mageren Böden meist stabiler und kompakter.
Ins Beet kommen die jungen Pflanzen am besten im Frühjahr, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Ein sonniger Standort mit lockerem, eher trockenem Boden ist wichtiger als besonders nährstoffreiche Erde. Zwischen den Pflanzen sollten je nach Sorte etwa 30 bis 50 Zentimeter Abstand liegen.
Im ersten Winter schützt ein heller, windgeschützter Platz die Topfpflanzen besser als ein warmer Wohnraum. Im Freien können kleine Pflanzen mit Reisig oder Gartenvlies vor austrocknendem Frostwind geschützt werden. Nasse Winter sind für Lavendel oft gefährlicher als einzelne kalte Nächte.
Diese Fehler kosten die meisten Jungpflanzen
Viele Ausfälle entstehen schon beim Schneiden. Wer sehr alte, stark verholzte Triebe verwendet, erhält zwar robust wirkendes Material, aber häufig schlechtere Wurzelbildung. Ebenso ungünstig sind Triebe mit Blüten, beschädigte Schnittstellen und Werkzeuge, die Pflanzenkrankheiten übertragen können.
- Zu viel Wasser führt schnell zu schwarzen Stängelbasen und Fäulnis.
- Direkte Mittagssonne lässt unbewurzelte Stecklinge welken.
- Eine dauerhaft geschlossene Haube fördert Schimmel.
- Zu frühes Ziehen oder Umtopfen zerstört empfindliche Wurzeln.
- Starkes Düngen erzeugt weiches Wachstum, das weniger widerstandsfähig ist.
Auch das Bewurzeln im Wasserglas wird häufig empfohlen. Es kann funktionieren, doch Wasserwurzeln sind nicht immer gut an das spätere Leben in Erde angepasst. Ich setze Lavendelstecklinge deshalb lieber direkt in ein luftiges Erd-Sand-Gemisch.
Nach dem Anwachsen sollten Sie die Triebspitze einmal leicht einkürzen. Dadurch verzweigt sich die Pflanze und bleibt kompakt. Schneiden Sie jedoch nicht tief ins alte Holz, weil Lavendel aus stark verholzten Bereichen oft nur unzuverlässig wieder austreibt.
Mit wenigen Stecklingen zum eigenen Lavendelband
Für eine niedrige Einfassung reichen oft schon zehn bis fünfzehn Stecklinge aus einer kräftigen Mutterpflanze. Schneiden Sie lieber einige Triebe mehr, denn nicht jeder Steckling bildet gleich schnell Wurzeln. Die robustesten Jungpflanzen setzen Sie im folgenden Frühjahr mit gleichmäßigem Abstand ins Beet.
Mein wichtigster Rat lautet, Geduld und trockene Füße miteinander zu verbinden. Helles Licht, ein sauberer Schnitt, mageres Substrat und vorsichtiges Gießen entscheiden weit mehr über den Erfolg als teure Hilfsmittel. Wer diese vier Punkte beachtet, kann Lavendel mit überschaubarem Aufwand vermehren und über Jahre gesunde, blühfreudige Pflanzen aufbauen.